Lackhersteller PPG gibt wertvolle Tipps für die Praxis
Sauber ist nicht gleich sauber: Wird ein Fahrzeug vor der Instandsetzung nicht korrekt gereinigt, wirkt sich das negativ auf die erfolgreiche Applikation aus. Sascha Petschke, PPG, erläutert, warum richtiges Reinigen essenziell ist und worauf die Werkstatt dabei achten sollte.

Matsch an den Kotflügeln, Insektenreste auf der Windschutzscheibe, verkrusteter Dreck am Unterboden, verklebte Blütenpollen rundherum – erreicht ein verunfalltes Fahrzeug die Werkstatt, ist es in der Regel erst einmal verschmutzt. Für den Erfolg der späteren Unfallreparaturlackierung ist im ersten Schritt eine grobe Säuberung des Wagens erforderlich. „Die perfekte Lackinstandsetzung beginnt schon bei der Annahme des Fahrzeugs", erklärt Sascha Petschke, Trainer bei PPG.

Nur so wird das wirkliche Ausmaß der Schäden sichtbar, denn unter Staub- und Schmutzschichten können sich Beschädigungen verbergen. Die grobe Säuberung des Fahrzeugs vor der Schadensaufnahme unterstützt daher die sichere Schadenskalkulation sowie bei der Planung der weiteren Arbeitsprozesse, die das entsprechende Fahrzeug durchlaufen muss.

„Darüber hinaus vermeiden Sie mit einer groben Reinigung des Wagens bei der Annahme, dass Dreck überhaupt in die Werkstatt transportiert wird – und das ist immens wichtig", so Sascha Petschke weiter. Der Grund: Selbst kleinste Staubteilchen können bei der Applikation zu Fehlstellen führen. Deren Beseitigung ist zeit- und materialintensiv und erhöht die Kosten der Instandsetzung. Feinölige Filme, die vor der Applikation nicht korrekt entfernt werden, können beispielweise Haftungsstörungen zwischen den Lackschichten bewirken. Im schlimmsten Fall löst sich die Lackierung dann wieder vom Objekt – was die Kundenzufriedenheit sicher nicht erhöht. „Es ist daher extrem wichtig, dass von Arbeitsprozess zu Arbeitsprozess immer weniger Verschmutzungen weitergetragen werden", Sascha Petschke. „Ein zu lackierendes Objekt sollte mit so wenig Anhaftungen wie möglich in die Lackierkabine gelangen. Und Startpunkt dabei ist die Annahme."

Sascha Petschke, Trainer PPG

Gewusst, wie: So reinigen Sie richtig
Dabei ist Schmutz nicht gleich Schmutz. Für die optimale Reinigung sollte zwischen drei grundlegenden Verschmutzungsarten unterschieden werden: mineralisch, etwa Sand, Salz, Staub, fettig bzw. ölig, beispielsweise Wachse, Teer oder Fette, sowie Anhaftungen auf neuen Rohkunststoffteilen, die häufig beim Kunststoff Herstellungsprozess als „Trennmittel" in die Gussformen aufgetragen werden. Sascha Petschke: „Diese drei Anhaftungsarten sollten mit jeweils spezifischen Reinigungsmitteln entfernt werden, um eine vollständige Säuberung sicherzustellen." PPG etwa hält eine Reihe an effizienten Reinigungsmitteln für jede Verschmutzungsart bereit: Vom wässrigen Reiniger für leichte Verunreinigungen über Silikon- und Fettentferner bis hin zum Kunststoffreiniger stellt der Lackhersteller seinen Partnerbetrieben Reinigungslösungen für die sichere Entfernung von Öl-, Fett-, Schmutz- und Polier-Rückständen zur Verfügung.

Generell lassen sich Verschmutzungen wie Sand und Salze am besten mit viel Wasser, einem Tuch und einem milden Reiniger lösen. Der Tipp des Profis: Verwenden Sie viel Wasser, um festsitzenden Deck zunächst aufzuweichen. Danach wischen Sie den Dreck nach und nach mit einem feuchten Tuch und weiterem Wasser vom Fahrzeug herunter. „Dieser Schritt benötigt in der Regel mehrere Durchgänge", so Sascha Petschke. „Benutzen Sie dabei mehrere Tücher, um Schmutz, den Sie bereits gelöst haben, nicht wieder auf den Wagen aufzutragen." Auch sollte das Wasser – je nach Verschmutzungsgrad – mehrfach gewechselt werden. So wird der Dreck nicht nur verschmiert, sondern sicher entfernt. Anschließend sollten lösungsmittelhaltige Reiniger zum Einsatz kommen. Sie entfernen fettige und ölige Verunreinigungen. Auch hier sollte mehrfach und mit jeweils sauberen Tüchern gearbeitet werden.

Reinigen nach jedem Arbeitsschritt für mehr Glanz beim Lackierergebnis
Wichtig bei der richtigen Reinigung: Nach jedem Arbeitsschritt sollte noch einmal nachgereinigt werden – vor allem aber vor dem Hineintragen der zu beschichtenden Objekte in die Lackierkabine. „Bevor zu lackierende Teile die Kabine erreichen, sind sie etwa bereits geschliffen und gefüllert worden. Dabei entstehen Stäube oder auch Fettanhaftungen, sofern die Mitarbeiter beim Transport durch die Werkstatt keine Handschuhe getragen haben. Daher sollte vor dem Applizieren noch einmal nachgearbeitet werden", erklärt Sascha Petschke. „Hier ist in der Regel eine Reinigung mit einem wasserbasierten Reiniger ausreichend. Dieser führt zudem zu einer elektrostatischen Entladung von Kunststoffen, sodass Staub weniger angezogen wird. Vermeiden Sie an dieser Stelle Silikon- bzw. Fettentferner, da diese Stäube nur verschmieren und nicht abtransportieren."

Klar, dass auch die Arbeitsumgebung zur Sauberkeit in der Lackierkabine beiträgt. Je mehr Schmutz ein Arbeitsprozess erzeugt, desto weiter weg von der Lackierkabine sollte er durchgeführt werden. Konkret heißt das: Schleifarbeiten sollten in größtmöglicher Entfernung von der Kabine stattfinden. Aber auch Aspekte wie die Arbeitskleidung des Lackierers, das zu verwendende Werkzeug sowie die Druckluft wirken sich auf den Erfolg der Applikation aus. „Selbstverständlich sollte der Lackierer darauf achten, sich nicht unbedingt durch die ‚Schleifzone‘ zu bewegen, wenn er die Lackierkabine ansteuert", erläutert Sascha Petschke. „Lackierpistole und weitere nötige Gerätschaften sollten sauber sein, die Druckluft sehr gut gefiltert werden. Denken Sie an den regelmäßigen Austausch der Filter! Auch dies unterstützt bei der sicheren und sauberen Beschichtung."

Das Reinigungstuch als Erfolgsindikator
Ein weiterer Rat des Experten: Je weiter fortgeschritten Sie im Instandsetzungsprozess sind, desto sauberer sollten die jeweils verwendeten Tücher sein. Sprich: Das Reinigungstuch dient nicht nur der Säuberung, sondern auch der optisch-visuellen Kontrolle, ob die bisherigen Reinigungsschritte erfolgreich waren. „Ist ein in der Lackierkabine verwendetes Tuch sauber, haben Sie alles richtiggemacht und können die Applikation starten – und das Tuch können Sie getrost bei der Reinigung in der Annahme einsetzen!"

Das Fazit: Weniger Lackierfehler, weniger Aufwand, weniger Reklamationen – richtiges Reinigen ist sinnvoll.